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by Jörg Günther
August 07, 2014
in Reiseberichte , Thailand
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Früh, viel zu früh lärmt die Weckfunktion des iPhones an diesem Mittwoch durch mein komfortables Zimmer im „Chatrium Hotel Riverside Bangkok“…

Noch ein Blick hinunter zu den Schnellbooten und Lastkähnen auf dem Chaophraya, ein schnelles Frühstück auf der Restaurant-Terrasse am Fluss, Koffer zu und Auschecken. Dann starte ich mit Dave, einem Kollegen aus London, und unseren thailändischen Begleitern von „Royal Silk Holidays“ zu einer Inspektionsreise, die uns durch die Provinzen südwestlich von Bangkok bis zum Seebad Hua Hin führen wird.

Der morgendliche Berufsverkehr ist in vollem Gange als unser Van über den Fluss hinüber nach Thonburi im Westen der Hauptstadt fährt. Zum Glück staut es sich um diese Tageszeit vorwiegend stadteinwärts! Wir kommen also zügig voran und der Übergang von den Vororten Bangkoks in die Provinz Samut Sakhon ist kaum zu spüren.

In Mahachai, einem Küstenort an der Mündung des Flusses Tha Chin, steht der Besuch eines der größten Fischmärkte Thailands auf dem Programm. Zugegeben, ich bin sehr skeptisch, welche Gerüche mich nun erwarten werden? Fische und andere Meeresprodukte sind aber tatsächlich so frisch, dass meine Nase nichts zu erleiden hat. Nur zu den Bergen von Garnelenpaste, einem unverzichtbaren Bestandteil der Thai-Küche, halte ich lieber etwas Abstand. Per Fähre setzen wir zum anderen Ufer des Tha Chin über. Dort erwarten uns betagte Herren mit ihren Fahrradrikschas, die damit ihr bescheidenes Alterseinkommen etwas aufbessern. Es folgt eine gemütliche Rikschatour durch das Städtchen zum Bahnhof.

Zwischen Wohnhäusern, netten Vorgärten und Tempeln fallen hohe, meist unansehnliche Betonklötze mit winzigen Fensteröffnungen auf. Wir fragen nach und erfahren, dass es sich um „Wohnhochhäuser“ für Schwalben (eigentlich Salanganen) handelt, aus deren Nestern die berühmte „Schwalbennestersuppe“ hergestellt wird. So fragwürdig der Verzehrt dieser asiatischen Delikatesse auch generell sein mag, dieses „Nest Farming“ ist wohl allemal besser als das rücksichtslose Ernten von Nestern in freier Natur durch Wilderer. Tatsächlich hat sich der gefährdete Bestand an Salanganen in letzter Zeit etwas erholt.

„Nein, der Zug nach Maeklong ist heute bereits zwei Stunden früher gefahren.“ Während ich noch darüber nachdenke, was diese Info der Bahnhofsauskunft zur Fahrplantreue wohl für die zuverlässige Durchführbarkeit von Rundreiseprogrammen bedeuten mag, legt unsere ausgezeichnete Reiseleiterin Toy schon völlig unaufgeregt fest, dass wir dann eben nach dem Mittag den nächsten Zug von einer anderen Station aus nehmen. Gesagt, getan. Da verhalten wir uns doch vorbildlich wie echte Thais… und denken zunächst einmal ans Mittagessen!

An einer Bahnstation, die nur Ortskundige als solche erkennen können, steigen wir nun in den Bummelzug ein. Klar war, dass der Zug von Gleis 1 abfahren würde, da es nur ein Gleis gab. Wann genau er fahren würde, blieb bis zur Abfahrt ungewiss. Für die mit uns wartenden Einheimischen war dieser Umstand jedoch völlig nebensächlich und keiner großen Erörterung wert, denn irgendwann würde es schließlich schon losgehen.

Als sich unser Zug nun anschickt, mitten hinein zu fahren in das lebendige Marktreiben von Maeklong mit den eng aneinander stehenden Marktständen und Warenauslagen, sind zunächst erhebliche Zerstörungen oder gar Gemetzel an den Marktbesuchern zu befürchten. Doch immer nur wenige Meter vor dem Triebwagen werden dann Sonnenschirme eingeklappt und Stände verrückt, so dass sich auf wundersame Weise eine enge Gasse öffnet und die Gleise frei gibt. „Talad Romhup“ heißt dieser Teil des Maeklong-Marktes, was man etwas frei mit „Schirm klapp weg“ übersetzen kann.

Das Thermometer ist inzwischen auf mehr als 35°C geklettert und der Mai macht seinem Ruf als einer der heißesten Monate in Thailand alle Ehre. Am Marktstand mit den exquisiten Durians kommen wir dennoch nicht vorbei. Noch nie hat mir eine „Stinkfrucht“ (Durian) so himmlisch geschmeckt wie hier! Dass Durian den Körper erhitzt, erklären mir unsere lieben Begleiterinnen mit schelmischem Lächeln erst, nachdem ich mich reichlich daran gelabt habe. Den Rest des Nachmittags erlebe ich nun mehr denn je in Schweiß gebadet.

In Amphawa, dem Geburtsort König Rama II., bummeln wir durch die schöne Parkanlage des ihm gewidmeten Museums und schlendern anschließend über den „Amphawa Riverside Market“. Zu den Markttagen am Wochenende zieht der Ort massenhaft Ausflügler aus dem nahen Bangkok an. Heute liegt er ruhig und beschaulich zu beiden Seiten des Flüsschens vor uns. Die Ruhe müssen wir allerdings damit bezahlen, dass fast alle Geschäfte und Garküchen geschlossen bleiben.

Nach Inspektionen in drei Amphawa-Hotels von höchst unterschiedlicher Qualität checken wir am frühen Abend im „Baan Amphawa Resort Spa“ ein. Der Tag klingt hier mit einer entspannenden Nacken-und-Schulter-Massage im „Suphannika Spa“ und einem Dinner am Maeklong-Fluss aus. Auch wenn ich – zugegeben – nicht alle Hotels am Ort gesehen habe, dürfte diese Anlage in der Tat die beste in der Gegend sein. Als Ruhepunkt auf Rundreisen oder als Domizil für ein paar Tage Ruhe und Entspannung kann ich das Resort (www.baanamphawa.com) nur empfehlen.

Nach dem Frühstück fahren wir am Donnerstag zum Dorf Tha Kha (auch Tha Ka), wo wir an einem Tempel auf kleine Boote (Sampans) umsteigen und durch die schmalen Kanäle mit üppiger Vegetation zu beiden Seiten gerudert werden.

In diesem Moment ist Thailand genau so, wie es sich ein Tourist aus fernen Landen wohl vorstellen mag!

Auch auf den Kanälen von Tha Kha wird an bestimmten Tagen des Mondkalenders ein „Schwimmender Markt“ abgehalten. Wir interessieren uns heute aber für ein Gehöft, auf dem mehrere Generationen einer Familie Palmzucker herstellen. Wir schauen nur zu, wie aus dem Saft der Blütenstände der Palmen Sirup gekocht und zu einer zähflüssigen Masse einreduziert wird, die bei Abkühlen dann fest wird. Aber allein vom Zuschauen am offenen Feuer wird es schon wieder bedrohlich heiß für mich…

Übrigens: Einige Familien in Tha Kha bieten in ihren Häusern auch Gästezimmer an. Wenn man an unverfälschten Eindrücken vom dörflichen Leben in Zentralthailand interessiert ist, den Kontakt zu den Einheimischen sucht und auf gehobenen Komfort verzichten kann, dann ist ein solches Home Stay sicher eine gute und sehr preiswerte Alternative zu Hotels.

Für uns geht es nun weiter in die Provinz Phetchaburi, etwa 170 Kilometer südwestlich von Bangkok. Vorbei an endlosen Salinen, wo in geschäftigem Treiben gerade das Meersalz „geerntet“ wird, und nach einem kurzen Stopp am „Laem Pak Bia Environmental Research and Development Project“ erreichen wir den Bezirk Ban Thamrong. Nun wird es kompliziert für uns „Farangs“ (in Thailand üblicher Begriff für Ausländer mit weißer Hautfarbe), denn auf einer Zuckerpalmenplantage müssen wir den kleinen aber feinen Unterschied zwischen dem Palmzucker von der Zuckerpalme und dem von anderen Palmenarten begreifen. Sehr kompliziert, aber als Faustregel habe ich mir gemerkt, dass sich ersterer sehr gut für Süßigkeiten und Desserts eignet, letzterer hingegen vorrangig zum Kochen verwendet wird. Übrigens können auch die Samenkerne der Frucht der Zuckerpalme in einem aufwendigen mehrstufigen Verfahren essbar gemacht und zu Desserts und Naschwerk verarbeitet werden.

Auch unser heutiges Hotel kann ich gern wieder als Tipp an die Leser weitergeben: Wir wohnen im „Petchvarin Resort Spa“ (www.petchvarinresort.com), einem Nichtraucherhotel der Green Leaf Stiftung, das sich nachhaltigem Tourismus und ökologischer Bewirtschaftung verschrieben hat. Villen und Bungalows verschiedener Kategorien bieten hier auf einem weitläufigen Gelände am Phetchaburi River rustikalen bis gehobenen Komfort. Auch Swimmingpool und SPA fehlen nicht, Biogemüse und Kräuter an den Speisen kommen oft aus dem hoteleigenen Garten.

Am letzten Tag fahren wir durch einen kleinen Teil des Kaeng-Krachan-Nationalparks und über den Damm des gleichnamigen Stausees. Von der Dammkrone aus öffnet sich ein schöner Blick auf die Umgebung. Leider ist nicht genügend Zeit, den Park genauer zu erkunden, denn wir müssen weiter zu Hotelinspektionen an den Stränden von Cha-am und Hua Hin. In Hua Hin ist dann noch Zeit für einen Besuch der königlichen Sommerresidenz König Rama VI. und für einen Abstecher zum reich verzierten königlichen Wartesaal des Bahnhofs, der zum Wahrzeichen Hua Hins geworden ist.

Übrigens: Auf der Rückfahrt nach Bangkok ist mir das anfängliche Glück mit dem Stau in der Gegenrichtung nicht mehr hold! Für den letzten Kilometer bis zum Hotel an der Sukhumvit Road brauchen wir viel Geduld und mehr als eine Stunde Zeit…

Mein Fazit: Die beschriebene Kurzreise, natürlich ohne meine beruflich bedingten Hotelinspektionen, ist eine interessante Option für Thailand-Reisende, die die historischen Top-Sehenswürdigkeiten des Landes schon ein wenig kennen und nun auf der Suche nach dem typischen Landleben in küstennahen Regionen Thailands sind. Wer sich für diese Tour entscheidet, sollte Interesse an Besuchen von traditionellen Märkten und an der Thai-Küche mitbringen. Lange Überlandfahrten wie bei anderen Rundreisen gibt es bei diesem Programm, das nicht weiter als 3 Fahrstunden von Bangkok wegführt, nicht. Ideal ist die Tour, die sich einem nachhaltigen Tourismus verpflichtet fühlt, um die Verbindung von Bangkok zu einem Strandaufenthalt in Cha-am oder Hua Hin herzustellen.

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(Vom zweiten Teil meiner Reise, der mich in den Nordosten Thailands führt, berichte ich später an dieser Stelle.)

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Bangkok Thailand
Jörg Günther

Für EAST ASIA TOURS bin ich oft in Thailand, Malaysia, Singapur und auf den Philippinen unterwegs. Als gelernter Sinologe erinnere ich mich auch noch immer besonders gern an meine ersten Reisen mit EAT-Kleingruppen nach China, Tibet und Hongkong zu Beginn der 1990-er Jahre. Der Blick von der Sky Bar des Lebua auf Bangkok, die Abenddämmerung an der Shwedagon-Pagode Yangons, Borneo-Zwergelefanten am Ufer des Kinabatangan und Schnorcheln im El-Nido-Archipel sind andere unvergessliche Reiseerinnerungen.

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